Gummi: Dichter und Dämpfer

Gummi, Gummi, Gummi, Gummi, Gummi, Gummi geh mir wech damit … Fragen zur Gummipflege solltest du dir besser nicht von Entertainer Jürgen von der Lippe beantworten lassen. Denn Gummidichtungen an Wohnmobil und Wohnwagen verlangen regelmäßige Pflege.

Fenster, Türen, Dachhauben und Außenstaufächer sind von schwarzem Dichtgummi umrahmt. Und dieser erfüllt mehrere Zwecke: er hindert kalte Luft daran, ins Innere des Campingfahrzeugs zu gelangen, außerdem dämpft er Vibrationen und schützt so andere Bauteile vor Beschädigungen.


Die häufigsten Gründe für Abnutzung und Beschädigung

UV-Strahlung und Temperaturschwankungen sind die größten Feinde des Gummis, sie lassen das elastische Material erhärten und spröde werden. Aber auch mechanische Belastung, beispielsweise durch in Stauklappen eingeklemmte Steinchen, beschädigt im Laufe der Zeit die Dichtungen.

Geeignete Pflegemittel können die Abnutzung von Gummidichtungen nicht vollständig verhindern, aber deren Leben deutlich verlängern.


Den Gummi richtig reinigen

Auf einem hellen Tuch werden Verschmutzungen schnell sichtbar. Die schwarzen Schlieren haben sich vom Fenstergummi gelöst.
Auf einem hellen Tuch werden Verschmutzungen schnell sichtbar. Die schwarzen Schlieren haben sich vom Fenstergummi gelöst. © Fritz Berger

Für alle Produkte gilt: vor der Pflege kommt die Reinigung! Zunächst solltest du grobe Verschmutzungen (Steine, Blütenpollen, Staub) mit einer weichen Bürste oder einem Pinsel vom Gummi entfernen. Auch ein kleiner (Hand)staubsauger kann bei dieser Arbeit hilfreich sein.

Nachdem du grobe Verunreinigungen entfernt hast, fährst du mit einem feuchten und fusselfreien Tuch (z.B. Mikrofaser oder Leder) an der Gummilippe entlang. In der Regel ist beim Putzen von Gummidichtungen kein Reinigungsmittel notwendig.

Falls du aufgrund hartnäckiger Verschmutzungen doch zu einem Reinigungsprodukt greifst: verwende niemals lösemittelhaltige Reinigungs- oder Pflegemittel. Denn diese greifen den Weichmacher im Gummi an und die Dichtungen werden spröde und brüchig. Scheiben aus Acrylglas reagieren außerdem empfindlich auf Alkohol. Daher solltest du im Bereich von Acrylglas-Fenstern keine alkoholhaltigen Reinigungsmittel verwenden.


Produkte zur Gummipflege gibt es in verschiedenen Formen

Das Angebot an Gummipflegeprodukten ist groß. Einige dieser Mittel basieren auf natürlichen Rohstoffen, andere sind chemisch zusammengesetzt. Ein wirkungsvolles und günstiges Pflegeprodukt ist Talkum. Dabei handelt es sich um ein weißes Pulver, das auch der Hauptbestand von Babypuder ist (100 Gramm im Drogeriemarkt für ca. 1 Euro). Bei der Dosierung solltest du vorsichtig sein. Kommt dir die Verpackung aus, staubt das Pulver und verteilt sich großflächig. Am besten gibst du etwas Pulver auf ein Tuch und verreibst es sanft auf den Gummidichtungen.

Achte darauf, dass du Babypuder nicht einatmest. Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat Talkum 2006 als möglicherweise krebserregend eingestuft. 


Silikonsprays lassen sich auch auf größeren Flächen gleichmäßig verteilen. Achte beim Kauf eines silikonhaltigen Sprays drauf, dass es frei von Alkoholen, Lösungsmitteln und Tensiden ist. Bei geeigneten Sprays findet sich auf der Verpackung meist der Hinweis „für Gummi geeignet“.

Pflegestifte sind besonders einfach in der Anwendung. Ähnlich wie mit einem Deo-Roller, fährst du mit dem Pflegestift auf Tür- oder Fenstergummis entlang. Dadurch gelangt das Pflegemittel nur dorthin, wo es auch wirken soll.

Manche Pflegestifte, wie der Sesam Glycerinstift, haben ein weiches Pad an der Spitze. Bevor du am Gummi entlangfährst, musst du den Stift mehrfach auf dem Gummi aufdrücken. Dadurch saugt sich das Pad mit der Flüssigkeit aus dem Pflegestift voll.

Mit dem Pflegestift von Sesam lassen sich Gummidichtungen leicht abfahren.
Mit dem Pflegestift von Sesam lassen sich Gummidichtungen leicht abfahren. © Fritz Berger
Drücke den Pflegestift mehrmals auf den Gummi, damit sich das Pad mit Flüssigkeit vollsaugen kann.
Drücke den Pflegestift mehrmals auf den Gummi, damit sich das Pad mit Flüssigkeit vollsaugen kann. © Fritz Berger

Gummipflege in flüssiger Form trägst du auf ein Tuch auf und verreibst es auf dem Gummi. Auf diese Weise verteilst du das Mittel gleichmäßig. Auch größere Gummiflächen lassen sich auf diese Art einfach behandeln. Protectolan von Dr. Keddo lässt sich durch seine feine Spitze tröpfchenweise dosieren. Die Gummipflege von Easydriver MyCleanHome gibt’s im praktischen Reinigungsset. 

Flüssige Pflegemittel verteilst du am besten auf einem fusselfreien Tuch.
Flüssige Pflegemittel verteilst du am besten auf einem fusselfreien Tuch. © Fritz Berger
Dr. Keddo empfiehlt die Verarbeitung von Protectolan mit einem Papiertuch. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass sich das Tuch beim Wischen auflöst.
Dr. Keddo empfiehlt die Verarbeitung von Protectolan mit einem Papiertuch. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass sich das Tuch beim Wischen auflöst. © Fritz Berger

Gummi vor dem Winter einfetten

Der Pflegestift von Sesam fettet Gummis mit Hirschtalg. Durch Druck auf den Boden, lässt sich das Fett nach oben nachschieben.
Der Pflegestift von Sesam fettet Gummis mit Hirschtalg. Durch Druck auf den Boden, lässt sich das Fett nach oben nachschieben. © Fritz Berger

Im Winter kann es passieren, dass Gummidichtungen festfrieren. Beim Öffnen von Türen oder Fenstern reißt dann der Gummi aus der Führung. 

Dagegen hilft ein Pflegestift auf Basis von Hirschtalg. Behandle die Dichtungen noch vor dem ersten Frost mit dem Hirschtalg. Das Fett legt sich wie eine Schutzschicht um den Gummi und hält ihn auch bei Minusgraden geschmeidig.


Fazit: Gummis zweimal im Jahr pflegen

Denke bei der regelmäßigen Pflege deines Campers im Herbst und Frühling auch an die Dichtungen. Sie sind zwar unscheinbar aber unverzichtbar.

Pflegestifte sind besonders einfach in der Anwendung. Sie eignen sich vor allem für lange und dünne Gummiprofile, wie sie sich an Fenster- und Türrahmen finden. Mit einem flüssigen Mittel kannst du auch größere Flächen mit wenig Aufwand behandeln. Talkum ist ein bewährtes Hausmittel. Dosierung und kontrollierte Anwendung sind jedoch schwer.