Gesetzliche Regelungen

Kindersitzpflicht

Ob im PKW oder im Wohnmobil: Sind Kinder im Fahrzeug, müssen sie in Deutschland bis zu einer Größe von 150 Zentimeter oder bis zu ihrem vollendeten 12. Lebensjahr in einem passenden Kindersitz befördert werden. In Österreich gilt die Obergrenze von 135 Zentimeter oder 14 Jahren. Reist dein Nachwuchs ohne Kindersitz, kommt neben der Gefahr für dein Kind ein Bußgeld auf dich zu.


Eingetragene Sitzplätze im Wohnmobil

Wie viele Personen in deinem Wohnmobil oder Campingbus befördert werden dürfen, hängt von der Anzahl der eingetragenen Sitzplätze ab.

  • Bei Wohnmobilen, die nach dem 01.01.1992 zugelassen wurden, müssen auf allen in Fahrtrichtung angeordneten Sitzplätzen verankerte Sicherheitsgurte eingebaut sein. Auf dem Fahrer- und Beifahrersitz sind das Dreipunktgurte, auf allen übrigen Sitzen genügen Beckengurte.
  • Bei Wohnmobilen, die nach dem 01.01.1999 zugelassen wurden, müssen 3-Punkt-Automatikgurte auf allen Sitzen in Fahrtrichtung verbaut sein, falls das zulässige Gesamtgewicht des Wohnmobils nicht über 2,5 Tonnen liegt. Anderenfalls und für Sitze entgegen der Fahrtrichtung reichen bauartgenehmigte Beckengurte.
  • Für Wohnmobile, die nach dem 01.1.2004 zugelassen wurden, gilt: Automatik-Dreipunktgurte auf allen eingetragenen Sitzplätzen.

Die Angabe, wie viele eingetragene Sitzplätze es in deinem Wohnmobil gibt, findest du im Fahrzeugschein unter der Nummer S.1.

Hinweis: Der Fahrzeugschein gehört nicht zu dem hier fotografierten Wohnmobil
Hinweis: Der Fahrzeugschein gehört nicht zu dem hier fotografierten Wohnmobil © Fritz Berger

Grundsätze der Befestigung des Kindersitzes im Wohnmobil

Ein Wohnmobil-Kindersitz unterscheidet sich nicht von einem PKW-Kindersitz. Der Einbau kann sich aber doch oft etwas schwieriger gestalten. Schließlich sind die Rückenlehnen in der Dinette gerade und nicht ergonomisch geformt wie im PKW, die Polster der Sitzbank können wegrutschen und der Tisch davor stört die Beinfreiheit des Nachwuchses.

Tipp: Am besten klappst du den Tisch während der Fahrt runter. Das minimiert das Verletzungsrisiko im Falle eines Unfalls.


Unterschiedliche Kindersitze

Man unterscheidet Kindersitze grob in zwei Kategorien, wenn man nur von der Art der Befestigung im Fahrzeug ausgeht.

 5-Punkt-Gurt
5-Punkt-Gurt © ADAC Ralph Wagner

Es gibt Kindersitze mit integriertem Gurt. Der Gurt des Fahrzeuges hält dabei nicht das Kind, sondern nur den Sitz. Das Kind wird separat durch die im Sitz verbauten Gurte gesichert. Diese Sitze besitzen ein sogenanntes 5-Punkt-Gurtsystem. Dieses hält das Kind fest in der Schutzschale des Autositzes. Bei einem Zusammenstoß verteilt das Gurtsystem die Kräfte, die bei einem Aufprall wirken, auf fünf Punkte: an den Schultern, den Hüften und am Gurtschloss zwischen den Beinen.

Der 3-Punkt-Gurt hält den Sitz und das Kind
Der 3-Punkt-Gurt hält den Sitz und das Kind © Fritz Berger

Bei der anderen Art von Kindersitzen dient der Gurt des Fahrzeuges zur Sicherung des Sitzes und des Kindes. Der Sitz wird mit einem 3-Punkt-Gurt im Fahrzeug befestigt, Gurtführungen helfen, ihn richtig einzubauen.
In unseren Beispielbildern benutzen wir diese Art von Kindersitz.

Es gibt unglaublich viele Kindersitze. Welcher Kindersitz für deine Familie am besten passt, musst du selbst herausfinden. Wichtige Entscheidungskriterien können sein: Wie alt / groß / schwer ist dein Kind? Wie lange willst du den Sitz nutzen? Wie oft nutzt du ihn? In welchem Fahrzeug soll er verbaut werden?


Reboarder

Ein Reboarder ist ein rückwärts montierter Kindersitz. Das Kind schaut also während der Fahrt nach hinten. Kinder, die jünger als 15 Monate sind, müssen von Gesetz her rückwärtsgerichtet transportiert werden. Es gibt unterschiedliche Kindersitze, die für ältere Kinder zugelassen sind, die auch rückwärts eingebaut werden. Diese Art von Sitz ist laut Tests verschiedener Automobilclubs die sicherste Variante des Kindertransports. Der ADAC empfiehlt, Kinder bis zu einem Alter von mindestens zwei Jahren in einem rückwärtsgerichteten Kindersitz zu transportieren.

Montierst du einen Reboarder auf dem Beifahrersitz, musst du den Frontairbag ausschalten
Montierst du einen Reboarder auf dem Beifahrersitz, musst du den Frontairbag ausschalten © ADAC Ralph Wagner

Die verschiedenen Einbaumöglichkeiten siehst du in diesem Video anschaulich dargestellt.


Der richtige Ort für den Kindersitz im Wohnmobil

Kindersitze dürfen in Deutschland in Fahrzeugen auf allen eingetragenen Sitzplätzen mit 2- oder 3-Punkt-Gurt verwendet werden.


Kindersitz auf der Sitzgruppe in Fahrtrichtung befestigen

Kindersitz auf der Sitzgruppe in Fahrtrichtung befestigen
Kindersitz auf der Sitzgruppe in Fahrtrichtung befestigen © Fritz Berger

Da unser Wohnmobil vor 1999 zugelassen wurden, ist der Beckengurt auf dem äußeren Sitzplatz noch zulässig. Den Kindersitz befestigen wir allerdings nur auf dem Fensterplatz. Schon alleine deswegen, weil der dort verbaute 3-Punkt-Gurt einen besseren Halt bietet, als der Beckengurt daneben.


Kindersitz am Beifahrersitz des Wohnmobils befestigen

Eine weitere Option ist die Befestigung des Kindersitzes am Beifahrersitz. Das ist erlaubt. Hast du einen Kindersitz, der in Fahrtrichtung montiert wird, bleibt der Beifahrer-Airbag aktiviert, bei einem Reboarder deaktivierst du ihn.

Hast du ein Wohnmobil mit Hecksitzgruppe und gibt es in deinem Wohnbereich keine in Fahrtrichtung ausgerichteten Sitzplätze, kann es erforderlich sein, dass du den Kindersitz auf dem Beifahrersitz montierst.

Wie im Auto auch können Kinder im Kindersitz problemlos auf dem Beifahrersitz mitfahren.
Wie im Auto auch können Kinder im Kindersitz problemlos auf dem Beifahrersitz mitfahren. © Fritz Berger

Unsere Tochter liebt es, im Wohnmobil auf dem Beifahrersitz mitzufahren. Erstens ist es auf der Sitzgruppe im Wohnraum während der Fahrt so unglaublich laut, dass wir uns nicht unterhalten können. Zweitens hat sie so einen tollen Ausblick und sieht alles, was um das Fahrzeug herum passiert.

Vorsicht: In Frankreich dürfen Kinder unter 12 Jahren nicht auf dem Beifahrersitz mitfahren.


Kindersitze auf der Längsbank

Eingetragene Sitzplätze seitlich zur Fahrtrichtung findet man heutzutage selten. Sie sind noch in einigen alten Wohnmobilen, Landrover-Modellen und Kleinbussen verbaut. Zum Personentransport während der Fahrt sind sie komplett ungeeignet, der Personentransport ist aber trotzdem erlaubt. In Fahrzeugen, die nach dem 20.10.2007 zugelassen wurden, sind Sitzplätze quer zur Fahrtrichtung deswegen auch nicht mehr zulässig.

Auf Längssitzbänken dürfen nur Beckengurte verwendet werden, weil sonst bei einem Front- oder Heckaufprall die Köpfe der Insassen durch die 3-Punkt-Gurte abgeschnitten werden könnten.


Sitze entgegen der Fahrtrichtung

Auch auf einem entgegen der Fahrtrichtung ausgerichteten Sitzplatz kannst und darfst du einen Kindersitz montieren, solange ein 2- oder 3-Punkt-Gurt dort verbaut ist. Reboarder solltest du nicht auf diesen Sitzen montieren. Der Vorteil des rückwärtsgerichteten Fahrens geht hier verloren.


Wohnmobil-Sitzplätze ohne Gurt

Vor allem alte Wohnmobile haben eingetragene Sitzplätze ohne Gurtvorrichtung, auf denen auch heute noch Personen während der Fahrt sitzen dürfen. Vorausgesetzt, die Sitze sind entgegen der Fahrtrichtung ausgerichtet. Bestandsschutz ist hier das Zauberwort. Was früher erlaubt war, entspricht dem heutigen Sicherheitsstandard nicht mehr. Auch wenn das Gesetz es noch erlaubt: Auf einem Sitzplatz ohne Gurt sollte niemand während der Fahrt sitzen.

Solltest du dich dennoch dazu entscheiden: Auf Plätzen ohne Sicherheitsgurten dürfen Kinder unter drei Jahren gar nicht befördert werden.


Fixierung des Kindersitzes im Wohnmobil

Für die Befestigung des Kindersitzes im Wohnmobil und jedem anderen Fahrzeug gibt es prinzipiell zwei Varianten:

  • Befestigung per Isofix
  • Befestigung per Sicherheitsgurt

Fixierung des Kindersitzes via Isofix

Isofix ist ein Befestigungssystem für Kindersitze in Automobilen, bei dem eine starre Verbindung zwischen Fahrzeug und Kindersitz hergestellt wird. Der Kindersitz wird einfach dank zwei Haken eingerastet und sitzt fest. Der Abstand dieser Haken zueinander ist genormt. Der Kindersitz kann also dank Isofix problemlos in jedem beliebigen Fahrzeug mit dieser Vorrichtung befestigt werden.

Die grünen Knöpfe am Kindersitz werden sichtbar, sobald der Kindersitz ordnungsgemäß verankert wurde.
Die grünen Knöpfe am Kindersitz werden sichtbar, sobald der Kindersitz ordnungsgemäß verankert wurde. © Fritz Berger

In Autos ist Isofix seit Jahren Standard. Wohnmobil-Fahrer suchen ein Isofix-System in ihrem Wohnmobil allerdings oft vergeblich - dafür sind viele Campingbusse, wie der VW California, Mercedes Marco Polo oder auch Ford Nugget, damit ausgestattet. Seit 2013 müssen alle Neuwagen in Deutschland mit Isofix ausgestattet sein.

Beim Kauf eines Wohnmobils (und PKWs) solltest du außerdem auf die Länge des Sicherheitsgurtes achten. Schließlich muss er einmal um den kompletten Kindersitz herumgelegt werden.

Eine Nachrüstung von Isofix ist in Autos oft möglich, bei Wohnmobilen gestaltet sie sich schwierig, aber nicht unmöglich. Das Problem dabei ist, dass für das Isofix-System ein anderes Gurtgestell eingebaut werden muss, das teurer und schwerer ist. Außerdem müssen andere Sitzpolster eingebaut werden. Dafür sprichst du am besten zuerst mit dem Fahrzeughersteller. Bei einigen Fahrzeugen sind die Bohrungen inklusive Gewinde bereits vorhanden, bei anderen Herstellern, wie Knaus/Weinsberg bekommst du original Isofix-Nachrüst-Sets.


Fixierung des Kindersitzes via Gurt

Gibt es in deinem Wohnmobil keine Isofix-Vorrichtung, kannst du den Kindersitz auch mit dem Sicherheitsgurt befestigen. Die Befestigung ist zwar umständlicher, aber genauso effektiv.

Beckengurt (2-Punkt-Gurt): Die meisten, modernen Kindersitze können nur mit 3-Punkt-Gurt gesichert werden. Es gibt aber noch ein paar Modelle für die Sicherung per Beckengurt. Das kann in älteren Wohnmobilen von Vorteil sein. Dabei wird aber meist nicht das Kind mit dem Beckengurt gesichert, sondern der Kindersitz. Das Kind wird durch ein 5-Punkt-System im Sitz gehalten.

Wir empfehlen die Befestigung ohne Isofix nur mit Beckengurt nicht

Die Kombination aus Kinder und Kindersitz kann leicht bis zu 30 Kilogramm wiegen. Bei einem Unfall kann der Beckengurt den Sitz auf den rutschigen Polstern des Wohnmobils einfach nicht gut genug halten und der Kindersitz könnte nach links und rechts wegrutschen. Außerdem schneiden Beckengurte bei einem Aufprall tief in den Bauchraum ein und könnten Organe verletzen.

Mit dem Drei-Punkt-Gurt kann man Kindersitze sicherer befestigen. Dabei wird der Kindersitz auf die Sitzbank gestellt und das Kind und der Kindersitz mit dem 3-Punkt-Gurt angeschnallt. Die Gurtführung ist so konzipiert, dass der Gurt deinem Kind bei einem Unfall nicht in den weichen Bauch schneidet. Alternativ gibt es Kindersitze, die durch den Drei-Punkt-Gurt gesichert werden, während das Kind durch ein 5-Punkt-System im Sitz gehalten wird.


Fazit: Sicherheit steht an erster Stelle

Damit Kinder sicher im Wohnmobil oder Campingbus reisen, muss der Kindersitz an der richtigen Stelle korrekt befestigt werden. Bist du mit deinem Nachwuchs in Europa unterwegs, solltest du dich vor der Reise außerdem genau über die Regeln zur Kinderbeförderung informieren, denn sie unterscheiden sich geringfügig von Land zu Land. Die Strafen bei falscher Kinderbeförderung sind hoch.