Das eigene Wohnmobil mit anderen Campern teilen

Die Anschaffung eines Wohnmobils oder Wohnwagens ist kein günstiges Vorhaben. Nicht selten rufen Händler Preise ab 40.000 Euro für ein Neufahrzeug auf – nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Aufgrund der hohen Nachfrage ist auch das Preisniveau auf dem Gebrauchtmarkt hoch. Zudem stehen viele Wohnmobile und noch mehr Wohnwagen die meiste Zeit des Jahres ungenutzt herum.

Für viele Camper wäre es daher attraktiv, wenn sich das Fahrzeug ein Stück weit von selbst finanzieren würde. Onlineportale wie Campanda, Indie Campers, Paulcamper und Yescapa machen genau das möglich. Wie die private Campervermietung funktioniert und, worauf du als Vermieter achten solltest, erfährst du hier.


Darf ich jedes Campingfahrzeug zur Vermietung anbieten?

Grundsätzlich lässt sich jeder Camper vermieten. Mietportale können ihr Angebot jedoch auf bestimmte Fahrzeugklassen (z.B. ausschließlich Campingbusse) beschränken. Da die Vermittler aber an einer möglichst großen Zielgruppe interessiert sind, ist das in der Regel nicht der Fall. Gibt es von Seiten des Plattformbetreibers keine Einschränkungen, kannst du Wohnmobil, Wohnwagen oder auch einen Zeltanhänger zur Vermietung anbieten.

In jedem Fall gelten für die private Vermietung einige rechtliche Anforderungen:

  • Du musst Eigentümer des Fahrzeugs sein oder zumindest entsprechende Nutzungsrechte für eine Vermietung besitzen.
  • Bei dem Camper darf es sich nicht um ein Leasingfahrzeug handeln.
  • Das Fahrzeug muss sich in einwandfreiem Zustand befinden. Das setzt eine gültige Hauptuntersuchung voraus. War das betreffende Fahrzeugmodell von Herstellerrückrufen betroffen, müssen diese vorschriftsgemäß durchgeführt worden sein.
  • Wartungen/technische Inspektionen müssen vorschriftsmäßig und fristgerecht durchgeführt werden.

Wie viel kann ich mit der Campervermietung verdienen?

Umso länger dein Camper unterwegs ist, desto höher ist dein Verdienst.
Umso länger dein Camper unterwegs ist, desto höher ist dein Verdienst. © lovelyday12 / stock.adobe.com

Der mögliche Umsatz lässt sich natürlich nicht verbindlich beziffern. Die Mietportale selbst werben für ihre Plattformen mit unterschiedlich hohen Einnahmechancen. Campanda nennt sogar einen möglichen Jahresverdienst von „bis zu 45.000 Euro“. Wie lange und zu welchem Preis das Fahrzeug dafür mit Mietkunden unterwegs sein muss, verrät die entsprechende Landingpage jedoch nicht.

Anbieter Paulcamper kommuniziert die zu erwartenden Einnahmen transparenter. Wer wissen will, wie viel Geld sich potenziell mit der Vermietung des eigenen Campers verdienen lässt, kann die entsprechende Jahressumme mit Hilfe eines Konfigurators ermitteln. Hier gibst du an, um welchen Fahrzeugtyp (Kastenwagen, Alkoven, Wohnwagen etc.) es sich handelt und, wie viele Wochen du deinen Camper gerne vermieten möchtest. Paulcamper berechnet dann auf Grundlage der Durchschnittspreise aus dem eigenen Portal die geschätzten Einnahmen. Bei einem Kastenwagen mit einer jährlichen Mietdauer von insgesamt 10 Wochen wären das 10.500 Euro.


Muss ich als Vermieter Gebühren bezahlen?

Keine Frage: die Vermietportale wollen mit ihrem Angebot Geld verdienen. Sie erleichtern dir aber auch die Bewerbung deines Fahrzeugs und unterstützen dich bei Formalitäten und rechtlichen Fragen. Daher wirst du dein Wohnmobil oder deinen Wohnwagen auf den hier genannten Mietplattformen nicht kostenlos anbieten können.

Die gute Nachricht: das Inserat selbst ist bei allen Plattformen kostenfrei. Eine Provision wird erst dann fällig, wenn das Fahrzeug tatsächlich vermietet wird. Dann berechnet sich die Provision prozentual von der Tagesmiete. Indie Campers berücksichtigt außerdem das Land, in dem das Inserat eingestellt wurde. So kann die Provision für einen Vermieter aus Österreich anders ausfallen, als für ein Inserat aus Deutschland oder der Schweiz. Für eine spezielle Vermietversicherung fallen noch einmal gesondert Kosten an. 


Muss ich Einnahmen durch die Campervermietung versteuern?

Umsätze aus der Campervermietung musst du dem Finanzamt mitteilen. Ob diese besteuert werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Umsätze aus der Campervermietung musst du dem Finanzamt mitteilen. Ob diese besteuert werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. © Flaco / pixabay.de

Dies ist die für private Vermieter wohl wichtigste Frage. In jedem Fall musst du dem Finanzamt alle Einnahmen als Nebeneinkünfte melden. Ob du für die Einkünfte aus der Campervermietung Steuern bezahlen musst, hängt von deiner individuellen Situation und der jährlichen Gesamtsumme ab. Denn das Einkommenssteuergesetz spricht in Paragraph 15 Absatz 2 von der „…Absicht, Gewinn zu erzielen“. Ob diese Absicht gegeben ist, entscheidet das Finanzamt unter Berücksichtigung deiner individuellen Ein- und Ausgaben. Verbindlich kann dir diese Frage daher nur ein Steuerberater beantworten.

In jedem Fall ist es empfehlenswert, das verdiente Gelde nicht sofort in voller Höhe auszugeben. Lege einen Teil deiner Einnahmen zurück. Wie bei Selbstständigen üblich, fordert das Finanzamt eventuelle Nachzahlungen erst mehrere Monate später.


Benötige ich eine spezielle Versicherung für mein Mietwohnmobil?

Ja, denn herkömmliche Kfz-Versicherungen schließen die Vermietung aus. Als Vermieter kannst du eine so genannte Selbstfahrer-Vermietversicherung abschließen. Diese Versicherungen werden allerdings nur im Rahmen eines Jahresvertrags angeboten. Vermietest du deinen Camper nur gelegentlich, rechnen sich die hohen Kosten meistens nicht. 

Vermietest du deinen Camper über ein Mietportal, kannst du auch dort häufig einen entsprechenden Versicherungsschutz buchen. Der Vorteil: über das Mietportal wird die Versicherung nur für die Anzahl der vermieteten Tage berechnet – oftmals prozentual vom Mietpreis.


Welche Formalitäten gelten für die Übergabe?

Alle Mietportale sind an einem reibungslosen und transparenten Ablauf interessiert. Daher unterstützen Sie die Vermieter bei der Erledigung von Formalitäten.

Auch bei einer privaten Campervermietung müssen alle Bedingungen vertraglich festgehalten werden. Die rechtlichen Grundlagen musst du aber nicht selbst festlegen, denn den Mietvertrag erhältst du vom Betreiber des Mietportals.

Wichtig zu wissen: die Betreiber der Vermietportale treten nur als Vermittler auf. Vermieter ist der Besitzer des Fahrzeugs. Das ist rechtlich ein wesentlicher Unterschied.

Ein Übergabeprotokoll gibt Mieter und Vermieter Sicherheit über den Zustand und eventuelle Schäden am Fahrzeug. Daher darf ein solches Protokoll bei der Vermietung auf keinen Fall fehlen. Vermietest du über ein Onlineportal, stellt dir der Betreiber der Plattform ein Musterformular für das Übergabeprotokoll zur Verfügung. Am besten füllst du das Übergabeprotokoll gemeinsam mit dem Mieter aus und gibst ihm eine Kopie davon mit.


Was bedeutet Preisparität?

Indie Camper legt Wert auf so genannte Preisparität. Das bedeutet, der Betreiber der Plattform verpflichtet die Fahrzeugbesitzer, ihren Camper bei ihm zum günstigsten Preis anzubieten. Stellst du dein Wohnmobil oder deinen Wohnwagen auch auf anderen Portalen ein oder vermietest es über eine eigene Webseite, darfst du es dort nicht günstiger anbieten.


Was, wenn ich selbst Urlaub machen möchte?

Selbst mal weg? Als Vermieter steht deinem eigenen Urlaub natürlich nichts im Wege.
Selbst mal weg? Als Vermieter steht deinem eigenen Urlaub natürlich nichts im Wege. © Paulcamper

Niemand kann dich zwingen, deinen Camper zu vermieten. Möchtest du selbst in den Campingurlaub fahren, blockst du die entsprechenden Termine vorab oder sagst Interessenten ehrlich ab. Die Begründung werden sie garantiert verstehen.


Private Mietportale im Überblick

Nachfolgend stelle ich dir die bekanntesten Vermittler für Miet-Wohnmobile und –Wohnwagen vor. Die hier gelisteten Angaben beziehen sich ausschließlich auf die private Vermietung, auch wenn viele Anbieter auch gewerblich vermietete Camper in ihre Portale aufnehmen.

Campanda

  • Versicherung: kein Angebot
  • Mietpreis: bestimmt der Eigentümer. Die Einnahmen werden innerhalb von 5 Werktagen nach Mietbeginn auf das Konto des Vermieters überwiesen.
  • Konditionen: werden mit „individueller Provision“ abgerechnet. Genaue Auskunft erhalten Vermiet-Interessenten individuell nach Kontaktaufnahme
  • Kaution: 1.000 Euro müssen spätestens eine Woche vor Fahrzeugübernahme auf das Konto des Vermieters überwiesen werden. Erfolgt die Rückgabe des Fahrzeugs ohne Beanstandung, muss der Vermieter die Kaution erst nach 21 Tagen erstatten.
  • Stornierungsbedingungen: Bedingungen sind in den AGB festgelegt. Je nach Zeitraum der Stornierung muss der Mieter einen bestimmten Prozentsatz der vereinbarten Mietgebühren bezahlen.
  • Sonstiges: Die Plattform empfiehlt Vermietern, ihren Camper inklusive Zubehör an die Kunden zu übergeben. Verpflichtend ist die Bereitstellung von Bettwäsche, Geschirr, Campingmöbeln und Co. aber nicht.

Indie Campers

  • Versicherung: Haftplicht, Diebstahl, Vollkasko und Pannenhilfe
  • Mietpreis: bestimmt der Eigentümer ohne Vorgaben durch den Anbieter
  • Konditionen: Höhe der Provision ist abhängig von Mietpreis und dem Land, in dem das Inserat registriert ist
  • Kaution: Verwaltet Indie Campers über Kreditkarte des Mieters
  • Stornierungsbedingungen: Vermieter kann die Bedingungen festlegen. Dafür gibt Indie Campers einen Rahmen vor.

Paulcamper

  • Versicherung: Haftpflicht, Vollkasko, Interieurversicherung.
  • Mietpreis: bestimmt der Eigentümer ohne Vorgaben durch den Anbieter
  • Konditionen: Provision beträgt 15 Prozent vom Tages-Mietpreis. Für die Versicherung berechnet Paul Camper je nach Fahrzeug zwischen 15 und 30 Prozent des Tages-Mietpreises extra.
  • Kaution: verwaltet der Vermieter (wird entweder bar oder per Überweisung hinterlegt)
  • Stornierungsbedingungen: Bedingungen sind in den FAQ hinterlegt. Je nach Zeitraum der Stornierung muss der Mieter einen bestimmten Prozentsatz der vereinbarten Mietgebühren bezahlen. Corona bedingte Stornierungen (z.B. Urlaubsziel wurde zum Risikogebiet erklärt oder Mieter muss sich vor Antritt des Urlaubs in Quarantäne begeben) sind bis zu sieben Tage vor Mietbeginn möglich. In diesem Fall erhält der Mieter 85 Prozent des Mietpreises zurück.

Sonstiges: Paul Camper schreibt für jeden vermieteten Camper eine Mindestausstattung vor. Dazu zählen:

  • Schlaf- und Kochmöglichkeit
  • Kühlschrank (oder Kühlbox)
  • Camping-Geschirr
  • Campingmöbel
  • Mindestens eine volle Gasflasche
  • Voller Treibstofftank

Yescapa

  • Versicherung: Vollkasko, Pannenservice, Diebstahl
  • Mietpreis: bestimmt der Eigentümer ohne Vorgaben durch den Anbieter
  • Konditionen: den Mietpreis bezahlt der Mieter an Yescapa. Am 1. Werktag nach der Abreise erhält der Vermieter 96 Prozent des Mietpreises per Überweisung durch den Portalbetreiber.
  • Kaution: verwaltet der Vermieter (Zahlung in Bar, per Überweisung). Rückerstattung erfolgt bei Rückgabe des einwandfreien Fahrzeugs.
  • Stornierungsbedingungen: Bedingungen sind in den AGB festgelegt. Je nach Zeitraum der Stornierung muss der Mieter einen bestimmten Prozentsatz der vereinbarten Mietgebühren bezahlen.
  • Sonstiges: Fahrzeugwert des inserierten Mietfahrzeugs darf nicht über 100.000 Euro liegen.

Fazit: ein Geschäft, das zu dir passen muss

Angebot und Nachfrage bestimmen das Vermietgeschäft. Während der Ferienzeiten ist die Nachfrage nach einem Campingfahrzeug zur Miete am größten. Daher ist es für Vermieter umso besser, wenn sie ihr Wohnmobil oder ihren Wohnwagen hauptsächlich außerhalb der Ferien selbst nutzen.

Ob man grundsätzlich bereit ist, sein Wohnmobil oder seinen Wohnwagen mit anderen zu teilen, ist eine individuelle Frage. Eine rationale Antwort gibt es darauf nicht. Schließlich muss jeder Fahrzeugbesitzer mit sich selbst ausmachen, ob er fremde Personen in seinem Camper wohnen lassen möchte.

Reich wird man durch die private Campervermietung sicherlich nicht. Dennoch können die Einnahmen bei der Finanzierung des eigenen Wohnmobils oder Wohnwagens helfen. Berücksichtige in deiner Kalkulation aber auch, dass durch regelmäßige Vermietung der Verschließ zunimmt. Bauteile wie Bremsen, Öl und Reifen müssen häufiger gewartet und überholt werden. Außerdem kann es unter Umständen sein, dass du deine Einnahmen zu einem späteren Zeitpunkt versteuern musst.