Europaweit einheitliche Maut? Fehlanzeige!

Warum gibt es kein einheitliches Mautsystem für ganz Europa? Kurz gesagt: weil auf europäischer Ebene bisher keine einheitliche Regelung geschaffen wurde. Die einzelnen Mautsysteme sind historisch bedingt auf nationaler Ebene entstanden und sie werden von unterschiedlichen Unternehmen betrieben. Teilweise gibt es sogar innerhalb eines Landes mehr als einen Betreiber.

Grundsätzlich unterscheidet man offene und geschlossene Mautsysteme. Bei einem offenen System muss die Maut für einen bestimmten Zeitraum pauschal bezahlt werden. Beispielsweise durch den Kauf einer Vignette. Bei einem geschlossenen System gibt es am Anfang und am Ende der mautpflichtigen Strecke jeweils einen Messpunkt (z.B. in Form einer Mautstation). Hier bezahlst du eine Mautgebühr für die gefahrenen Kilometer.

Tipp: Manche Kassenautomaten akzeptieren keine deutschen EC-Karten. Oft ist es einfacher, die Maut mit einer Kreditkarte zu bezahlen.


Dänemark/Schweden

In Dänemark fallen Mautgebühren vor allem an Brücken an.
In Dänemark fallen Mautgebühren vor allem an Brücken an. © Mark Konig / unsplash.com

Sowohl in Dänemark als auch Schweden fällt eine Maut an bestimmten Brücken an. Darunter die Øresundbrücke und die Storebæltbrücke. Die Höhe der Mautgebühr berechnet sich nach der Länge des Fahrzeugs. Bei Wohnmobilen und Gespannen wird unterschieden zwischen 6 Meter, 6 bis 10 Meter und mehr als 10 Meter.

Preisbeispiel: Eine Fahrt über die Øresundbrücke mit einem 7 Meter langen Wohnmobil kostet 110 Euro.

In Schweden gibt es zudem eine City-Maut in den Städten Göteborg und Stockholm. Während die Maut in Stockholm an den „Betalstation“ genannten Mautstationen entrichtet wird, ist sie in Göteborg erst im Nachhinein fällig. Während der Durchfahrt wird das Kennzeichen fotografiert, der Mautbescheid kommt am Ende des Folgemonats gesammelt per Post.


Frankreich

In Frankreich hängt die Höhe der Mautgebühren auch von der Fahrzeughöhe ab.
In Frankreich hängt die Höhe der Mautgebühren auch von der Fahrzeughöhe ab. © Kiarash Mansouri / unsplash.com

Das französische Mautsystem unterscheidet fünf Fahrzeugklassen. Entscheidend bei der Einstufung ist neben dem Gewicht auch die Fahrzeughöhe. Dabei gilt die tatsächliche Höhe inkl. fester Anbauten, wie Dachklimaanlage oder Sat-Anlage.

  • Klasse 1: Kfz bis 3,5 Tonnen und Höhe bis 2 Meter (auch mit Anhänger)
  • Klasse 2: Kfz bis 3,5 Tonnen und einer Höhe zwischen 2 und 3 Metern (auch mit Anhänger).
  • Klasse 3: 2-achsige Kfz über 3,5 Tonnen oder mit einer Höhe ab 3 Metern.
  • Klasse 4: Kfz ab 3 Achsen mit über 3,5 Tonnen oder mit einer Höhe ab 3 Metern
  • Klasse 5: Motorräder und Trikes

In Frankreich wird auf einigen Streckenabschnitten nur die Fahrzeughöhe ermittelt. Dadurch kann es passieren, dass ein Wohnmobil mit mehr als 3,5 Tonnen dennoch in die günstigere Klasse 2 fällt, wenn seine Gesamthöhe nicht mehr als 3 Meter beträgt.

Auch bei Wohnwagen ist die Höhe beim Mauttarif entscheidend. Anhänger bis zu einer Höhe von 2 Metern werden nicht gesondert berechnet. Dadurch fallen die meisten Wohnwagen-Gespanne in Klasse 2.

Preisbeispiel: Für die rund 490 Kilometer lange Strecke von Straßburg nach Paris fallen für ein Gespann 63 Euro Mautgebühren an.


Berechnung der Maut

Auf den meisten Autobahnabschnitten besteht ein geschlossenes Mautsystem. Bei der Auffahrt musst du ein Ticket ziehen, beim Verlassen der Autobahn wird nach gefahrenen Kilometern abgerechnet. Auf vereinzelten Streckenabschnitten wird aber auch eine pauschale Gebühr (offenes System) verlangt. Zudem können Gebühren für die Durchfahrt bestimmter Tunnels und Brücken anfallen.


Elektronische Maut in Frankreich

Gelb markierte Fahrspuren sind für Nutzer des elektronischen Mautsystems Télépéage reserviert. Sie dürfen nur mit einem Transponder (Mautbox) befahren werden.


Italien

Das italienische Mautsystem berücksichtigt die Anzahl der Achsen.
Das italienische Mautsystem berücksichtigt die Anzahl der Achsen. © Alexey Turenkov / unsplash.com

Fast alle Autobahnen in Italien sind gebührenpflichtig. Einzige Ausnahme auf dem Festland bildet die A2 von Salerno nach Reggio di Calabria.

Die Mautberechnung erfolgt anhand der Achsen und der Fahrzeughöhe. Wohnmobile zählen in der Regel in Kategorie B (2 Achsen und mehr als 1,3 Meter Höhe). Wohnwagen zählen zur Kategorie C, da die Achsen des gesamten Gespanns (Zugwagen + Anhänger) addiert werden und sich somit auf mindestens drei Achsen summieren. Doppelachsen zählen als zwei Achsen.

Auch für Tunnel, Brücken und insbesondere die Passstraßen im nördlichen Teil des Landes können zusätzliche Mautgebühren anfallen. In den Städten Bologna, Mailand und Palermo ist für bestimmte Fahrzeuge zudem eine City-Maut fällig.

Preisbeispiel: Für die rund 340 Kilometer lange Strecke vom Brenner nach Venedig fallen für ein Wohnmobil 25,70 Euro an Mautgebühren an.


Elektronische Maut in Italien

In Italien heißt das elektronische Mautsystem Telepass. Die entsprechenden Fahrspuren sind im Bereich der Mautstationen gelb gefärbt und mit einem „T“-Symbol gekennzeichnet. Die Telepass-Spuren dürfen nur mit Fahrzeugen befahren werden, die einen Transponder zur elektronischen Erfassung besitzen.


Sonderfall „Free Flow“ Maut

Auf vereinzelten Streckenabschnitten in Italien gilt seit wenigen Jahren das Free Flow System. Dabei wird jedes Fahrzeug automatisch erfasst, der lästige Stopp an den Mautstationen entfällt.

Auf folgenden Strecken wird die Maut nach dem Free Flow System berechnet:

  • A36 bei Mailand
  • A59 bei Como
  • A60 bei Varese

Den zu zahlenden Mautbetrag berechnet das Free Flow System auf Basis des Kfz-Kennzeichens und des Fahrzeugtyps. Die Bezahlung der Maut erfolgt nach der Reise per Kreditkarte über die Webseite des Betreibers Pedemontana. Dazu erhältst du per Post einen Gebührenbescheid. Alternativ kannst du die Maut auch an eigens dafür eingerichteten Servicestellen entlang der Autobahn begleichen.

Eine ausführliche Anleitung zur Nutzung des italienischen Free Flow Systems findest du auf dem Infoportal Treffpunkt Gardasee.


Schweiz

In der Schweiz müssen die meisten Fahrzeuge eine Vignette tragen.
In der Schweiz müssen die meisten Fahrzeuge eine Vignette tragen. © Janosch Diggelmann / unsplash.com

Auf Schweizer Autobahnen mit weiß-grüner Beschilderung, müssen alle Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen eine Vignette besitzen. Bei Gespannen benötigt der Anhänger eine eigene Vignette, weshalb Camper mit Wohnwagen die doppelte Mautgebühr entrichten müssen. Für Tunnel und Passstraßen können zusätzliche Gebühren anfallen.

Die Schweizer Vignette kostet 39 Euro (40 Schweizer Franken) und gilt für 14 Monate. Erhältlich ist die Vignette an Tankstellen sowie an den Servicecentern des ADAC und an ÖAMTC-Stützpunkten.

Im Laufe des Jahres 2023 soll zusätzlich zur Klebevignette auch eine elektronische Vignette (E-Vignette) eingeführt werden. Die Schweizer E-Vignette soll an das Kennzeichen und nicht an das Fahrzeug gebunden sein. In Verbindung mit einem Wechselkennzeichen kann die E-Vignette auch mit mehreren Fahrzeugen verwendet werden. Auch bei einem Fahrzeugwechsel ist dann keine neue E-Vignette notwendig.

Hier erfährst du mehr über die Vorteile eines Wechselkennzeichens.


Schwerlastabgabe für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen

Wohnmobile und Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen fallen in der Schweiz unter die Schwerlastabgabe (PSVA). Diese Schwerlastabgabe beschränkt sich nicht nur auf den vignettenpflichtigen Bereich, sondern sie muss für alle Straßen entrichtet werden.

Bezahlen kannst du die PSVA bereits vor der Einreise über die App „Via“ oder direkt am Grenzübergang. Die Kosten für die Schweizer Schwerlastabgabe staffeln sich folgendermaßen:

  • 1 Jahr für 630 Euro (650 CHF)
  • 1 Monat für 56,70 Euro (58,50 CHF)
  • 10 frei wählbare Einzeltage innerhalb eines Jahres für 31,50 Euro (32,50 CHF)

Die Berechnung nach Einzeltagen eignet sich insbesondere für Camper, die lediglich durch die Schweiz durchfahren.


Spanien

Auf spanischen Autobahnen wird in der Regel nach gefahrenen Kilometern abgerechnet.
Auf spanischen Autobahnen wird in der Regel nach gefahrenen Kilometern abgerechnet. © Daniel Prado / unsplash.com

Die spanische Maut berechnet sich ausschließlich anhand der Achsen. Die meisten Wohnmobile sowie einachsige Wohnwagen zählen in die Kategorie „Ligeros“ (Leicht). Bei Wohnmobilen mit drei Achsen bzw. Anhängern mit Doppelachse wird die erhöhte Gebühr nach der Klassifizierung „Pesados 1“ (Schwer 1) berechnet.

Auf den meisten Autobahnen in Spanien berechnet sich die Maut nach gefahrenen Kilometern, nur auf einigen Teilstrecken musst du eine Pauschalgebühr bezahlen.

Preisbeispiel: Für die rund 60 Kilometer lange Strecke von Barcelona nach Manresa (C16) fallen für Gespanne sowie Wohnmobile 15,35 Euro an.


Elektronische Maut in Spanien

Spanien nutzt, ebenso wie Frankreich, das elektronische Mautsystem Télépéage. Die gelb markierten Spuren dürfen nur mit einem geeigneten Transponder befahren werden.

Hier erfährst du alles über Mautboxen für die elektronische Abrechnung.


Österreich

Bis 3,5 Tonnen gilt in Österreich die Vignette. Schwerere Fahrzeuge müssen die Maut elektronisch abrechnen.
Bis 3,5 Tonnen gilt in Österreich die Vignette. Schwerere Fahrzeuge müssen die Maut elektronisch abrechnen. © Sandra Grunewald / unsplash.com

Österreich nutzt auf seinen Autobahnen vorwiegend ein offenes Mautsystem. Vor der Auffahrt auf die mautpflichtige Straße musst du eine Vignette an die Windschutzscheibe kleben. Diese kannst du an zahlreichen Tankstellen (auch bereits im deutschen Grenzgebiet) und in den Servicebüros von ADAC und ASFINAG (Betreiber des österreichischen Mautsystems) kaufen.

Die Vignette, umgangssprachlich auch Pickerl genannt, gibt es in folgenden Ausführungen:

  • Jahres-Vignette für 93,80 Euro
  • 2-Monats-Vignette für 28,20 Euro
  • 10-Tages-Vignette für 9,60 Euro

Klebevignette gültig für Pkw, Wohnmobil und Gespann

Die österreichische Vignette gilt für Pkw, Wohnmobile bis 3,5 Tonnen und Gespanne, wobei der Anhänger selbst keine eigene Vignette benötigt. Die Preise sind somit für alle drei Fahrzeugtypen gleich.


Elektronische Maut in Österreich

Für Wohnmobile über 3,5 Tonnen gilt eine streckenabhängige Maut. Fährst du ein schweres Reisemobil, musst du statt der Vignette eine elektronische Mautbox (Go-Box) an der Windschutzscheibe anbringen.

Für einzelne Tunnels, Brücken und Passstraßen wird eine gesonderte Maut berechnet. Dazu befindet sich unmittelbar vor oder nach dem betreffenden Streckenabschnitt eine Mautstation.


Fazit: immer anders

Die verschiedenen Mautsysteme können ganz schön Verwirrung stiften. Richtig ärgerlich ist, wenn man versehentlich eine mautpflichtige Straße befährt. Ohne Vignette kann es dann im schlimmsten Fall richtig teuer werden. Daher lohnt es sich, vorher einen genauen Blick auf die Mautbestimmungen des jeweiligen Reiselandes zu werfen.